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Fotos vom Käfertreffen Eggenburg 2017

jetzt in der Fotoecke!

Gleich mal reinschauen ;-)!

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Bericht und Fotos vom Renault R4 Treffen 2017 hier klicken

61er Käfer: Außen hui, unten pfui

VW Käfer sind geradezu verlockend, selbst zum Werkzeug zu greifen und herumzuschrauben. Klar, die Technik ist robust, die Teile relativ einfach ein- und auszubauen. Ohne Fachwissen kann man leider dennoch einiges verbocken. Und solchermaßen verbastelte, ja geradezu verpfuschte Käfer und Busse sehe ich leider immer wieder in meiner Servicestation.

Foto: Markus Blazej
Foto: Markus Blazej

Jüngstes Beispiel: ein VW Käfer Baujahr 1961, original mit 1200er, nachgerüstet mit einem 1500er Motor. Außen wunderschön anzusehen, aber das Innenleben eine Katastrophe!

 

Ein paar „Schmankerln“: In das für einen 6 Volt-Starter ausgelegte Getriebe wurde ein 12 Volt Starter mit entsprechend falschem, weil größerem Schwung eingebaut (ausgeschliffene Getriebeglocke). Noch dazu war die Zentralmutter für den Schwung locker. Ich wundere mich, dass das überhaupt funktioniert hat…

Die Kupplung wurde offenbar in jüngerer Vergangenheit getauscht, allerdings nicht der leckende Motor-Simmering. Das ist mit wenigen Handgriffen erledigt, weil ja die Kupplung ohnehin schon ausgebaut ist.

 

Die Zündkerzen am 3. und 4. Zylinder waren so locker, dass ich sie einfach mit der Hand ausschrauben konnte. Ganz übel auch das Ventilspiel, wurde offenbar in den vergangenen Jahren nie kontrolliert und eingestellt. Fazit: unnötige Geräuschentwicklung und schlechte Leistung, da die Ventile nicht richtig öffnen und arbeiten.

 

Schon alles? Von wegen! Die Achsschenkelbolzen komplett ausgeschlagen und natürlich wie die Achse nicht oder zu selten abgeschmiert – der sichere Tod eines Käfer-Fahrwerks. Von der fantasievollen, aber leider völlig falschen Verkabelung war ich auch einigermaßen überrascht. Öldruck-Kontrolle? Nö, die Fassung war ja defekt…

 

Am schlimmsten ausgerechnet der Zustand der Bremsen: komplett abgefahrene Bremsbeläge, falsch eingestellte Backen, lecke Radbremszylinder und Bremsleitungen, die richtiggehend „zugewachsen“ waren. Die Folge: ein ewig langer Pedalweg und kein „Biss“. Man kann ja schon mal ein Aug zudrücken, aber hier helfen selbst die Hühneraugen nicht mehr…

 

Wie dieser Käfer in den vergangenen Jahren immer ein Pickerl bekommen konnte, ist mir völlig schleierhaft. Man muss sich mal die Folgen für Besitzer und Werkstatt vorstellen, wenn mit diesem „Seelenverkäufer“ ein Unfall passiert – ein Fall für’s Gericht und den Leichenbestatter.

 

Leider werden solche verpfuschte Käfer auch an Käferfans weiterverkauft, die lieber fahren statt zu schrauben und sich auf die solide Technik verlassen. Einsteigen, starten, losfahren – völlig zu Recht, denn nicht jeder Käferfahrer braucht eine abgeschlossene Mechaniker-Lehre.  Wenn Sie nicht selbst schrauben (wollen), lassen sie Ihren Luftgekühlten unbedingt von einem Oldtimer-Kenner betreuen. Finger weg von Pfuschern und Hobbyschraubern: Käfer haben kein ABS, keine Airbags, manchmal sogar keine Gurte - dafür schwache Bremsen und ein instabiles Fahrwerk. Daher: Safety first!

Euer Oldie-Flüsterer Markus Blazej